Was ist der Sinn des Lebens?

Eine sehr tiefgehende Frage, der ich in den letzten Wochen relativ häufig begegnet bin. Vielleicht hing das auch einfach damit zusammen, dass ich mich kurz vor meinem 40. Geburtstag im Juli diesen Jahres intensiver mit den größeren Fragen beschäftigt habe und so eine Art „Bestandsaufnahme“ und Rückblick gewagt habe. Zudem haben mich einige Buchtitel animiert, ein paar Zeilen dazu zu schreiben.

Da ich schon immer ein wenig unter die Oberfläche schauen wollte, landete ich nach ein paar Abzweigungen zwangsläufig bei der Philosophie, welche eine sinnvolle Ergänzung zu meinem Studium der Geschichte an der LMU München war. Und bis heute haben mich philosophische Fragen nicht losgelassen – ganz im Gegenteil: Ich bin dankbar dafür, dass ich in meinem Umfeld fast täglich etwas philosophisch sein kann.

Auch in unseren Unternehmungen versuchen wir über die üblichen Unternehmensziele hinauszugehen und uns auch regelmäßig die Frage nach der Sinnhaftigkeit unseres Tuns zu stellen. Die Sinngebung ist zunächst dem Menschen eigen – Tiere stellen sich derartige Fragen vermutlich nicht.

Den einen allgemeingültigen Sinn im Leben gibt es wahrscheinlich nicht – mal abgesehen vom rein biologischen Erhalt des Genpools. Doch was könnte neben der menschlichen Fortpflanzung noch Sinn machen im Leben?

Gib Deinem Leben Sinn!

Die einfache, aber vermutlich nicht so einfach zu beantwortende Frage ist, dass sich der Mensch individuell einen Lebenssinn geben kann bzw. sogar muss, um nicht lebensmüde zu werden. Die Beantwortung der Sinnfrage kann dabei recht passiv erfolgen, d.h., man greift verschiedene Ideen von außen auf und denkt, dass es schon „irgendwie“ Sinn macht, wenn ich

  • fleißig von 9 bis 5 arbeiten gehe
  • heirate, Kinder bekomme, irgendwann in Rente gehe, dann das Zeitliche segne
  • so viel Geld wie möglich anhäufe in meinem Leben, um mir dann viele Dinge zu kaufen, die ich eigentlich gar nicht brauche
  • usw.

Oder ich versuche aktiv Antworten auf die vielleicht größte Frage der Menschheit zu finden bzw. zu geben. Warum sind wir hier? Warum bin ich auf der Welt? Welchen Sinn macht das? Oder vielmehr: welchen Sinn kann ich dem ganzen Treiben geben?

Viktor Frankl: Man‘ Search for Meaning

Eines der fesselnsten Bücher überhaupt in diesem Zusammenhang habe ich erst vor Kurzem lesen dürfen. Nämlich Viktor Frankls Buch „Man’s Search for Meaning“. Frankl war Holocaust-Überlebender und schrieb eindrucksvoll über das (Über-)Leben im Konzentrationslager. Ein paar Zitate geben möglicherweise Einblick in seine Philosophie:

Life is not primarily a quest for pleasure, as Freud believed, or a quest for power, as Alfred Adler taught, but a quest for meaning.

There is nothing in the world, I venture to say, that would so effectively help one to survive even the worst conditions as the knowledge that there is a meaning in one’s life. There is much wisdom in the words of Nietzsche: „He who has a Why to live for can bear almost any How.“

Frankl hat seine Logotherapie als Bedeutungs-zentrierte Psychotherapie beschrieben, seine Psychologie (ich möchte eher Philosophie schreiben) um Lebenssinn und Bedeutung aufgebaut. Das scheint mir sehr einleuchtend. Die Lebensmotivation entspringt vor allem der menschlichen Suche nach Sinn und Bedeutung.

Was dabei individuell Sinn macht, ist für jeden Menschen unterschiedlich.

Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens

In seinem Buch „Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens: Ein Essay“ schreibt Richard David Precht allerdings aber u.a.

„Tatsächlich ist die Verbindung von Lohnarbeit und Sinn sehr neu; die Sinnfrage zu stellen konnten sich noch in der Generation meiner Eltern nur wenige Künstler oder Unternehmer leisten“

und

Sinn gründet tief in der eigenen Biografie und Kultur. Er ist auch stark abhängig vom Sinnbedürfnis mir nahestehender Menschen. Und zu guter Letzt ist an Sinn nichts logisch. Alles Sinnbedürfnis geht von der Psychologie aus, aller Lebenssinn ist irrational. Und kein Depressiver lässt sich durch logische Argumente dazu bringen, seinem Leben wieder einen Sinn abzugewinnen.

Sehr starke Sätze, gerade jetzt zu Zeiten, da Künstliche Intelligenz in Form von ChatGPT und vermutlich bald noch vielen weiteren Ausprägungen die großen Fragen aufwirft.

Ich habe schon länger eine Ahnung, dass viele Menschen beunruhigt sind und nach Orientierung suchen. Kein Wunder, dass laute Marktschreier und Rattenfänger mit plumpen Parolen erfolgreich sind, da sie scheinbar klare Antworten liefern, wo vielleicht gar keine vorhanden sind.

Doch die Lösung liegt vermutlich im Inneren, in der eigenen Biografie und Historie. Möglicherweise hatten wir, also an der Spitze der Maslow`schen Pyramide, nie mehr Zeit, uns über die großen Fragen, insbesondere die Sinnfrage, Gedanken zu machen. Das kostet Kraft und kann verunsichern, ist aber aus meiner Sicht sehr lohnenswert, wenn nicht sogar überlebenswichtig.

Die individuelle Sinnsuche ist eine spannende Reise. Wer seinen individuellen Lebenssinn finden möchte, erhält z.B. hier tolle Impulse. Meine intensive Auseinandersetzung mit dem eigenen Lebenssinn hat mir jedenfalls sehr geholfen. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich meine Berufung gefunden habe und wünsche mir, dass auch viele andere Menschen ihre eigene Berufung, ihren Lebenssinn finden werden.

One comment to “Was ist der Sinn des Lebens?”
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